Die Folgen des Kriegs im Iran sind noch nicht absehbar. Anhaltend hohe Energiepreise führen jedoch jedenfalls zu steigender Inflation, einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung, Verteilungskonflikten und Herausforderungen für die Budgetpolitik. Kluge Wirtschaftspolitik muss gezielt eingreifen, eine Gewinn-Preis-Spirale eindämmen und Beschäftigung fördern.
Verschiedene Szenarien für Österreichs Wirtschaft
Die Erstellung von Konjunkturprognosen ist derzeit von starker Unsicherheit geprägt. Prognosen basieren auf Annahmen, Vereinfachungen und historischen Daten. Sie strukturieren aber auch die aktuelle politische Debatte und beeinflussen Erwartungen.
Vor diesem Hintergrund bietet die aktuelle WIFO-Prognose verschiedene Szenarien. Im Hauptszenario wächst die Volkswirtschaft 2026 um ca. 1 Prozent; die Inflation liegt im Jahresschnitt bei 2,7 Prozent. Die Arbeitslosigkeit stagniert 2026 und sinkt im darauffolgenden Jahr wieder. Die Armutsgefährdung steigt an und die Einkommensungleichheit bleibt auf historisch hohem Niveau, lediglich die Treibhausgasemissionen sollen 2026 um 3,5 Prozent sinken (2027 um weitere 2 Prozent). Im optimistischen Szenario sinken die Energiepreise schneller, die Volkswirtschaft wächst somit etwas stärker, sowohl Inflation als auch Arbeitslosigkeit sinken bereits 2026. Im pessimistischen Szenario dauert der Krieg an, die Energiepreise bleiben anhaltend hoch. Die Volkswirtschaft stagniert in diesem Fall, die Inflation steigt stark an auf 4,1 Prozent (2027: 3,5 Prozent) und auch die Arbeitslosigkeit steigt 2026 weiter auf 7,5 Prozent (2027: 7,6 Prozent).
Die Oesterreichische Nationalbank hat in ihrer jüngsten Prognose ebenfalls verschiedene Szenarien berechnet. Bereits das Hauptszenario ist pessimistischer. Im schlechtesten Szenario schrumpft die Wirtschaft und die Inflation steigt wieder auf über vier Prozent.
Es ist also gut möglich, dass vor dem Hintergrund der Unsicherheit und globaler Krisen die nächste Prognose nach unten revidiert werden muss. Die Internationale Energieagentur spricht von der Möglichkeit der größten Energieversorgungskrise aller Zeiten. Die Erwartungen von Unternehmen und Haushalten trüben sich bereits ein.
Drohende Gewinn-Preis-Spiralen
Nicht nur die Rohölpreise, sondern auch die Großhandelspreise sind im März bereits markant gestiegen – und werden das weiter tun, sollten die Energiepreise weiter steigen. Studien zum letzten Energiepreisschock ab 2022 haben gezeigt, dass einzelne, systemisch relevante Sektoren besonders wichtig für die Inflation sind. Darunter fallen auch jene Branchen wie Energie und Nahrungsmittel, die derzeit am stärksten von Kostensteigerungen getroffen werden. Die Sperre der Straße von Hormus trifft vor allem die Lieferketten von Rohöl, Flüssigerdgas, Düngemitteln, Helium und Schwefel. Die daraus resultierenden Preisanstiege bei fossilen Brennstoffen und der Nahrungsmittelproduktion durch Düngemittelpreise steigern nicht nur das allgemeine Preisniveau, sondern auch die Ungleichheit. Shareholder profitieren übermäßig, während Haushalte in der einkommensärmeren Hälfte durch höhere Preise besonders stark belastet werden.
Konzerne nutzen Kostenschocks, um ihre Profitmargen zu stabilisieren bzw. sogar zu erhöhen. Konsument:innen können bei Angebotsschocks nicht auf andere Anbieter:innen ausweichen und müssen höhere Preise bezahlen. Man spricht hier von einer Verkäufer:innen-Inflation oder einer Gewinn-Preis-Spirale. Spekulationen und Risikoaufschläge verschärfen das Problem.
Aktuelle Krise trifft fragilen Arbeitsmarkt und Frauen besonders
Trotz der wirtschaftlichen Erholung im vergangenen Jahr hat die Arbeitslosigkeit weiter zugenommen. Im März 2026 sind die Arbeitslosenzahlen bei Männern zwar um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit bei Frauen ist jedoch um 4,5 Prozent angestiegen.
Die Zahlen für den März stellen keinen Ausreißer dar, seit August 2025 steigt die Erwerbsarbeitslosigkeit bei Frauen deutlich schneller als die der Männer. Während der Rezessionsjahre 2023–2024 waren Leiharbeiter:innen, Industriebeschäftigte und Bauarbeiter:innen – und damit vor allem Männern – noch besonders betroffen. Inzwischen führen in der Statistik jedoch frauendominierte Branchen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Frauen im Handel war im März 2026 mit einem Plus von 6 Prozent deutlich stärker als bei Männern mit 2,9 Prozent. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für das Gesundheits- und Sozialwesen ab. Damit sind Auswirkungen der Budgetkonsolidierung wohl zunehmend auch am Arbeitsmarkt spürbar, besonders auf Ebene der Länder und Gemeinden. Auch in den Branchen mit rückläufigen Arbeitslosenzahlen, wie der Beherbergung und Gastronomie, sinkt die Arbeitslosigkeit bei Frauen (-2,1 Prozent) weniger stark als bei Männern (-4,6 Prozent). Besonders betroffen sind Frauen über 50. Mit der schrittweisen Erhöhung des Pensionsantrittsalters der Frauen wird das Risiko der Arbeitslosigkeit für eine Personengruppe erhöht, die bereits jetzt schon besonders vom Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen ist.
Im Prognosezeitraum ist nur bedingt mit einer Entspannung zu rechnen, im pessimistischen Szenario des WIFO sogar mit einer weiteren Zunahme der generellen Arbeitslosigkeit. Neben der angespannten Lage am Arbeitsmarkt könnten undifferenzierte weitere Budgetkonsolidierungsmaßnahmen Frauen überproportional belasten. Aufgrund ihres im Durchschnitt niedrigeren Einkommens waren sie bereits von Konsolidierungsmaßnahmen wie der Streichung des Klimabonus, der Aussetzung von Indexierungen von Familienleistungen oder der Kürzungen im Sozialbereich besonders betroffen.
Kluge Wirtschaftspolitik setzt auf Inflationsbekämpfung …
Die Unsicherheit ist derzeit hoch. Aus den Erfahrungen der Krisen der letzten Jahre können jedoch mehrere Schlüsse gezogen werden. Der gestiegene Öl- und Gaspreis darf sich nicht übermäßig in steigende Strompreise und insgesamt steigende volkswirtschaftliche Preise umsetzen. Dafür muss nun rasch der von der Regierung versprochene Energiekrisenmechanismus greifen. Auch in anderen wesentlichen Bereichen wie bei Lebensmitteln und Mieten sind zusätzliche Maßnahmen zur Dämpfung der Preisanstiege gefragt. Eine Anti-Teuerungs-Kommission kann die Preisentwicklungen beobachten und geeignete Maßnahmen vorschlagen.
Neben Preiseingriffen sind bei einer steigenden Inflation insbesondere niedrige Einkommen mit einem adäquaten Teuerungsausgleich zu schützen. Denn das untere Einkommensdrittel hat kaum finanzielle Polster und muss bei steigenden Preisen mit Konsumeinschränkungen reagieren. Seit der letzten Krise ist die Anzahl der erheblich materiell und sozial benachteiligten Personen um die Hälfte gestiegen. Schrumpfende verfügbare Einkommen würden trotz sinkender Sparquoten zu Konsumrückgängen führen und die Konjunktur weiter schwächen.
… und Beschäftigungssicherung
Je länger der Krieg andauert, desto wichtiger sind Preiseingriffe und beschäftigungssichernde Maßnahmen. Niedrige Energiepreise und eine effektive Eingrenzung der Teuerung entlasten Unternehmen wie Haushalte. Die aktuelle Lage zeigt erneut auf, dass wir möglichst rasch von Öl- und Gasimporten unabhängig werden müssen. Dafür müssen der öffentliche Personenverkehr, nachhaltige Wärmeerzeugung und die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ausgebaut werden – Maßnahmen, von denen auch Beschäftigungsimpulse ausgehen. Flankiert werden sollten diese Investitionen mit Qualifizierungsmaßnahmen.
Angesichts der fragilen Lage am Arbeitsmarkt muss zudem das Arbeitsmarktbudget gestärkt werden. Für Langzeitarbeitslose kann eine sozial-ökologische Arbeitsplatzgarantie nach dem Vorbild der Marienthal-Jobgarantie für sinnvolle Beschäftigung sorgen und Armut effektiv bekämpfen.
Des Weiteren muss die Beschäftigungssicherung ein wesentliches Ziel der Budgetpolitik bleiben – auch in Zeiten der Konsolidierung. Den angepeilten Budgetpfad zu halten ist angesichts der Prognose erschwert, trotz des besseren Abschlusses der öffentlichen Haushalte 2025. Sollte das pessimistische Szenario eintreten, muss die Erreichung des 3-Prozent-Defizit-Ziels nach hinten verschoben werden. Besonders in beschäftigungsintensiven Bereichen wie den öffentlichen Gesundheits- und Sozialdienstleistungen wären Kürzungen folgenreich und würden überdies Frauen stärker belasten. Höhere Einnahmen sind deshalb Kürzungen im Allgemeinen vorzuziehen – vor allem wenn sie durch gezielte Maßnahmen wie die stärkere Besteuerung von Übergewinnen und Vermögenden erfolgen.