Österreichs Wirtschaft wuchs 2025 stärker als erwartet, vor allem dank der Industrie. Als Folge des Irankrieges dämpft der Energiepreisschock die Erholung, die Inflation nimmt merklich zu. Rasche Preiseingriffe wie die Spritpreisbremse verhindern das Durchrauschen der Preissteigerungen in alle Wirtschaftsbereiche und dämpfen Zweit- und Drittrundeneffekte. Für die Budgetsanierung verbessern sich die Chancen auf einen erfolgreichen Konsolidierungspfad.
Wirtschaft war 2025 besser als bisher erwartet
Das Konjunkturbild für das Jahr 2025 hat sich seit der WIFO-Prognose vom März 2025 deutlich gedreht. Damals erwartete das WIFO ein drittes Rezessionsjahr. Entgegen der medialen Schwarzmalerei ist die Insolvenzquote über die letzten Jahre zudem stabil bei etwa 1%. Mittlerweile offenbaren neue Daten der Statistik Austria eine noch bessere Wirtschaftsleistung als bislang angenommen (2025: +0,8%). Das liefert eine bessere Ausgangslage für die wirtschaftliche Entwicklung in 2026.
Ein Hauptgrund für die Aufwärtsrevision der Statistik Austria ist die stärkere Entwicklung der Industrie, die auch im ersten Quartal 2026 noch mal real um +1% gegenüber dem Vorquartal zulegte. Wichtige Stimmungsindikatoren der Industrie deuten auf eine weitere Expansion hin und lagen trotz eines herausfordernden geopolitischen Umfelds im Mai über dem langfristigen Durchschnitt.
Prognose für 2026 bleibt weitgehend stabil
Dem stärkeren Wachstum aus 2025 stehen die negativen Folgen des Irankrieges gegenüber. Diese gegenläufigen Effekte heben sich auf und führen heuer zu einem realen Wirtschaftswachstum von +0,9% (2027: +1,1%). Nachfrageseitige Wachstumstreiber sind die Investitionen und Exporte. Seit 2022 sind die Exporte deutlich stärker als der Welthandel gestiegen, zuletzt entwickelten sie sich ähnlich.
Die Arbeitslosenquote steigt 2026 auf 7,5% und sinkt erst im nächsten Jahr auf 7,3%. Obwohl die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter erstmals seit Jahrzehnten schrumpfte, stieg das Arbeitskräfteangebot aufgrund der höheren Erwerbsbeteiligung älterer Frauen weiter an. Auch das trägt zum Anstieg der Arbeitslosigkeit bei (2026: 322.500 Personen). Damit hält der geschlechterspezifische Trend am Arbeitsmarkt weiter an: Bei Männern sinkt die Arbeitslosigkeit, bei Frauen steigt sie weiter an (laut AMS im Mai 2026: Frauen +4,16%, Männer -2,18% im Vergleich zu Mai 2025).
Der sprunghafte Anstieg der Inflation (2026: +3,2%, 2027: +2,4%) führt zum Kaufkraftverlust der Konsument:innen, weil die Reallöhne und verfügbaren Haushaltseinkommen sinken. Parallel bleibt die Armutsgefährdungsquote nahezu konstant (2026: 15,6%; 2027: 15,8%). Nur aufgrund der merklich sinkenden Sparquote (2025: 9,9% des verfügbaren Einkommens, 2026: 8,7%) gelingt ein verhaltenes Wachstum der Konsumausgaben. Als Folge gedämpfter Nachfrage entwickeln sich viele Dienstleistungsbereiche nur schwach.
Budgets konsolidieren sich über Aufschwung
Die Bundesregierung plante das Doppelbudget auf Basis der letzten WIFO-Prognose, die aufgrund der Eskalation im Nahen Osten sehr unsicher war. Inzwischen zeigt sich, dass voraussichtlich keine Anpassungen nötig sind, da das prognostizierte Wirtschaftswachstum unverändert bleibt. Budgetkonsolidierungen sind nur im Aufschwung erfolgreich, im Abschwung drohen sie die Krise zu verschärfen. Die gestiegene Inflation wirkt sich kurzfristig kaum auf das Budget aus, da Valorisierungen von Sozialleistungen ausgesetzt wurden und kommende Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst und die Pensionserhöhungen bereits fixiert wurden.
Die Grundsätze der Bundesregierung bei der Erstellung des Doppelbudgets – u. a. Planungssicherheit geben und die Konjunktur und Beschäftigung zu schonen – werden nur teilweise erfüllt. Soziale Dienstleistungen werden ausgebaut und öffentliche Investitionen bleiben stabil, verschieben sich aber anteilig zugunsten von Rüstung statt öffentlichem Verkehr. Für die Beschäftigungswirkung wären gezieltere Maßnahmen wirksamer gewesen als die größte Einzelmaßnahme, nämlich die Senkung des FLAF-Beitrags für Dienstgeber:innen. Im Klimabereich ist mehr Anstrengung nötig. Die EU-Kommission gewährt dafür bis 2028 zusätzlichen Spielraum. Die Bundesregierung sollte prüfen, ob ein grünes, mit den Städten und Gemeinden koordiniertes Konjunkturpaket von drei Milliarden Euro umsetzbar ist.
Gesamtwirtschaftliche Folgen von Energiepreisschocks auf Inflation
Der Anstieg der Rohöl- und Treibstoffpreise sind eine Folge des Irankrieges und der Sperre der Straße von Hormus. Es ist bereits der zweite Energiepreisschock innerhalb weniger Jahre, der Österreichs fossile Abhängigkeit und die daraus resultierende Verwundbarkeit aufzeigt. Die Effekte auf die Inflation folgen stets demselben Verlauf und lassen sich in drei Schritte gliedern:
In einem ersten Schritt steigen die Energiepreise. Haushalte zahlen im Fall von Erdöl rasch auch höhere Treibstoffpreise. Bei steigenden Gaspreisen folgen die höheren Rechnungen meist erst mit Verzögerung – dafür schlagen sie sich gleich doppelt nieder: direkt über die Gasrechnung und indirekt, weil preissetzende Gaskraftwerke den Strompreis in die Höhe treiben. Energie ist aber auch eine zentrale Ressource für die meisten Unternehmen, vom Transport von Waren über die Kühlung von Lebensmitteln bis zur Produktion von energieintensivem Stahl oder Zement.
In einem zweiten Schritt überträgt sich ein Energiepreisschock in alle Wirtschaftsbereiche und betroffene Unternehmen geben die gestiegenen Kosten an die Gesamtwirtschaft weiter. Manche nutzen die Gunst der Stunde und erhöhen ihre Gewinnmargen: der Beginn einer Gewinn-Preis-Spirale. Die Inflation wird also sowohl durch den Anstieg der Energiepreise selbst als auch durch die Überwälzung der Kostensteigerungen in alle Wirtschaftsbereiche angefeuert.
Erst in einem dritten Schritt reagieren Gewerkschaften und versuchen im Zuge von Kollektivvertragsverhandlungen, erlittene Reallohnverluste auszugleichen und die Kaufkraft zu stabilisieren. Die Frühjahrslohnrunde 2026 verdeutlicht, dass dies durchaus herausfordernd sein kann. Lohnverhandlungen sind eben Verhandlungen und keine technokratischen Indexierungen.
Rasche Preiseingriffe dämpfen Zweit- und Drittrundeneffekte
Kurzfristig kann die Bundesregierung nur Maßnahmen zur unmittelbaren Dämpfung der Energiepreisanstiege setzen und die Einführung der Spritpreisbremse im April 2026 war ein Paradebeispiel für rasches Handeln. Damit wurde das sogenannte „Durchrauschen der Preise“ begrenzt und zukünftige Lohnverhandlungen erfordern niedrigere nominelle Lohn- und Gehaltsabschlüsse zur Stabilisierung der Kaufkraft. Mittlerweile ist die Spritpreisbremse ohne Margenbeschränkungen und deutlich abgeschwächt, aber die Bundesregierung hat auch einige weitere preisdämpfende Maßnahmen gesetzt.
Demgegenüber stehen allerdings auch inflationserhöhende Maßnahmen wie die Preiserhöhung des Klimatickets (ca. 0,02 Prozentpunkte) oder die Anhebung und Ausweitung der Tabaksteuer (ca. 0,15 Prozentpunkte). Hinzu kommen auch Gebührenerhöhungen auf Ebene der Länder und Gemeinden, die in vielen Fällen aber ein Nachholen aufgeschobener Anpassungen darstellen.
Viele der inflationsdämpfenden Maßnahmen gehen aber nicht weit genug. So sollte etwa die Margenbegrenzung bei der Spritpreisbremse im ursprünglichen Ausmaß fortgesetzt werden und zusätzlich auf Heizöl ausgeweitet werden. Geregelte und private Mieten sollten dauerhaft nur einmal pro Jahr um 2% steigen und die Ausweitung der Mietpreisbremse auf gewerbliche Mieten würde Unternehmen entlasten und kostenbedingte Preissteigerungen verhindern.
Diese kurzfristigen Eingriffe dürfen aber nicht als Ersatz für den notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz dienen. Damit zukünftige Energiepreisschocks ohne negative Wirkungen verpuffen, gilt es die Elektrifizierung von Mobilität, Raumwärme und -kühlung sowie von Produktionsprozessen voranzutreiben.
Fazit
Österreichs Wirtschaft ist im vergangenen Jahr stärker gewachsen. Das schafft zwar eine günstigere Ausgangslage für heuer, wird jedoch durch den Iran-Krieg konterkariert. Dazu trägt der Energiepreisschock bei, der die Inflation erhöht, Kaufkraftverluste erzeugt und Österreichs Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verdeutlicht. Kurzfristig dämpfen rasche Eingriffe wie die Spritpreisbremse inflationssteigernde Zweit- und Drittrundeneffekte. Langfristig macht uns der Ausbau der erneuerbaren Energie jedoch unabhängiger und muss daher konsequent vorangetrieben werden.