Inflation: Preis­eingriffe gegen unkontrol­liert steigende Öl- und Sprit­preise

16. März 2026

Unkontrolliert steigende Öl- und Spritpreise führen zu weiteren Preissteigerungen, einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung und Verteilungskonflikten, während die Ölkonzerne profitieren. Auch den Staat kommen sie letztlich teuer zu stehen. Preiseingriffe wie in Kroatien senken die Preise gezielt – 2022 hätten wir uns mit dem kroatischen Modell bis zu 20 Cent pro Liter Benzin & Diesel erspart.

Steigt der Ölpreis, steigt der Spritpreis

Die Spritpreise in Österreich schießen im Zuge des Irankriegs ungerechtfertigt in die Höhe. Allein bis 10. März 2026 stiegen der durchschnittliche Preis von Superbenzin in Österreich auf 1,74 Euro pro Liter, der Dieselpreis auf 1,95 Euro pro Liter. Die Tankstellen in Österreich gehören zur Hälfte den Ölkonzernen. Der größte Anbieter ist die OMV, die inklusive Avanti über 350 Tankstellen betreibt, weitere Big Player sind Eni, bp, Shell und der amerikanische Konzern Phillips 66 (JET). Die Tankstellen beziehen ihren Sprit von Raffinerien oder Großhändlern mit meist einjährigen Lieferverträgen. Die Preise orientieren sich dabei an den monatlichen internationalen Börsennotierungen. Steigen die Rohölpreise, steigen meist mit kurzer Verzögerung die Börsenpreise und anschließend auch die Preise an den Zapfsäulen – unabhängig davon, ob die Kosten für die Raffinerien steigen oder ob Lagerbestände von Benzin oder Diesel gefüllt sind.

Wichtigster Preistreiber ist der Netto-Spritpreis ohne Steuern: Der Benzinpreis ohne Steuern und Abgaben stieg Anfang März innerhalb einer Woche um 25 Prozent, der Dieselpreis um 37 Prozent. Die Steuern selbst sind dabei aktuell keine Preistreiber: Bei der Mineralölsteuer und der CO2-Bepreisung handelt es sich um Mengensteuern, deren Steueraufkommen nicht direkt von Preisanstiegen beeinflusst werden. Die Mineralölsteuer liegt seit 2013 unverändert bei 48,2 Cent pro Liter Benzin und bei 39,7 Cent pro Liter Diesel. Die CO2-Bepreisung ist 2026 nicht gestiegen und liegt bei ca. 12,5 Cent pro Liter Benzin und 13,8 Cent pro Liter Diesel. Der Steuersatz der Mehrwertsteuer ist seit Jahrzehnten konstant und liegt mit 20 Prozent unter jenem der meisten anderen EU-Mitgliedstaaten. Ihr Aufkommen steigt zwar, aber nicht proportional, weil sie auch auf die beiden fixen Steuern erhoben wird.

Auch im langjährigen Vergleich treiben die Ölpreise und Konzerngewinne den Spritpreis, nicht die Steuern: In den letzten zehn Jahren stieg der Benzinpreis ohne Steuern und Abgaben um +109 Prozent (inkl. Steuern und Abgaben: +62 Prozent), der Dieselpreis ohne Steuern und Abgaben um +154 Prozent (inkl. Steuern und Abgaben: +93 Prozent).

Sinkt der Ölpreis … bleibt der Spritpreis fast gleich?

Ölpreisrückgänge schlagen sich jedoch kaum in niedrigere Spritpreise nieder: 2025 sank der Ölpreis in Euro um 30 Prozent, der Benzin- und Dieselpreis (ohne Steuern und Abgaben) jedoch nur um 10 Prozent. Preissenkungen werden von den Ölkonzernen also nur unvollständig oder gar nicht an die Konsument:innen weitergegeben. Auch beim letzten Ölpreisschock 2022 hat die Bundeswettbewerbsbehörde festgestellt, dass sich die Tankstellenpreise vom Rohölpreis entkoppelt haben. Die Tankstellenpreise sind stärker gestiegen als die Rohölpreise, ihr Rückgang war langsamer als der Rohölpreisrückgang. Davon profitierten zuerst die Tankstellen, danach vor allem die Raffinerien.

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55 Prozent der Mineralölprodukte für den Inlandsmarkt wurden 2024 in der Raffinerie Schwechat von der OMV selbst produziert. Die OMV hat schon vor der aktuellen Krise ihre Raffineriemarge im 4. Quartal 2024 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Diese steigt jetzt weiter an. Im Krisenjahr 2022 konnte die OMV ihre Raffineriemarge zeitweise verneunfachen und war eine der großen Krisengewinner.

Unkontrollierte Preissteigerungen führen zu massiven Folgekosten

Beschäftigte, Pensionist:innen, Studierende, Landwirt:innen, Kleinunternehmen – sie alle sind die Verlierer:innen steigender Preise. Zuerst zahlen sie höhere Spritpreise. Setzen sich die höheren Öl- und Gaspreise in steigenden Energiepreisen fort, erhöhen sich die Kosten für Grundbedürfnisse. Für die Beschäftigten kommt der Teuerungsausgleich erst mit mehrmonatiger Verspätung durch die Kollektivvertragsabschlüsse. Die Auseinandersetzungen sind zuletzt jedoch härter geworden, die Abschlüsse lagen teils unter der rollierenden Inflation. Der Ausgleich für Pensionist:innen folgt häufig erst mit einer Verspätung von eineinhalb Jahren bei den Pensionserhöhungen. Schon vor der aktuellen Krise mussten österreichische Haushalte um 39 Prozent mehr für Wohnen und Energie und um 25 Prozent mehr für Verkehr (inkl. Spritpreise) als vor fünf Jahren ausgeben. Der Preisanstieg der Energie in den Jahren 2021 bis 2023 war für ein Drittel des Anstiegs der Inflation verantwortlich.

Internationale Studien zeigen, dass wenige systemrelevante Branchen (Energie, grundlegende Produktionsinputs ohne Energie, Grundbedürfnisse und kommerzielle Infrastruktur) bei Öl- und Energiepreisschocks massive Übergewinne machen. Folglich erhöht sich auch die Ungleichheit, da wenige Shareholder von den gesteigerten Gewinnen profitieren, während die einkommensärmere Hälfte der Haushalte übermäßig von gestiegenen Preisen belastet wird. Preisstabilität in wenigen kritischen Sektoren hilft, eine stark steigende Inflation abzuwenden und einen Anstieg in der Ungleichheit einzudämmen.

In Österreich sind nach den beiden Rezessionsjahren und unter dem aktuellen Konsolidierungsdruck bei den Lohnverhandlungen einige Krisenabschlüsse vereinbart worden bzw. der Abschluss der öffentlichen Bediensteten wieder aufgeschnürt worden. Für die Betroffenen ist es entscheidend, dass die Bundesregierung zügig eingreift und die Konzerne ihre Preissteigerungen zurücknehmen oder mäßigen müssen. Die Ölkonzerne dürfen nicht auf dem Rücken aller Übergewinne erwirtschaften. Andernfalls drohen bei anhaltender Inflation Reallohnverluste, gestiegene Unsicherheit und ein weiterer Vertrauensverlust in die Lösungskompetenz der Wirtschaftspolitik.

Kroatische Spritpreisbremse hätte uns 2022 20 Cent pro Liter gespart

Kroatien hat im Gegensatz zu Österreich früh in die Spritpreise eingegriffen. Nach 2022–2025 hat die kroatische Regierung letzte Woche erneut ihre Preisdeckelung in Kraft gesetzt. Das kroatische Modell legt maximale Tankstellenpreise für Erdölprodukte (u. a. Benzin, Diesel) fest. Dafür wird der wechselkursbereinigte börsennotierte Preis für Erdölprodukte der vergangenen zwei Wochen als Basis herangezogen. Die Tankstellen dürfen auf diesen Preis maximal 17,35 Cent pro Liter Sprit als Bruttomarge aufschlagen. Der somit gedeckelte Preis plus Steuern gilt als Maximalpreis für zwei Wochen – mit Stand 16. März 1,50 Euro pro Liter Super und 1,55 Euro pro Liter Diesel.

2022 hätte ein solcher Preisdeckel die Spritpreise in Österreich um bis zu 0,20 Euro pro Liter gesenkt. Denn in den ersten Wochen des Ukrainekrieges stiegen die Bruttomargen der Tankstellen zeitweise deutlich an. Gleichzeitig greift ein solcher Preisdeckel die Übergewinne der Raffinerien kaum an. Daher braucht es zusätzliche Maßnahmen, damit die Ölkonzerne sich nicht anhand der aktuellen Krise bereichern können.

Was ist jetzt zu tun?

Die zuletzt verkündeten ersten Maßnahmen der Bundesregierung – Freigabe der Ölreserve, Tankstellen dürfen nur dreimal in der Woche ihre Preise steigern, Verlängerung der Gasreserve – greifen zu kurz. Was braucht es, um die Preissteigerungen einzudämmen?

1.    Einsatz und Aufwertung der Preiskommission

Konzerne und Tankstellenbetreiber sollen sich vor der Preiskommission rechtfertigen müssen, wie aktuelle Preissteigerungen zustande kommen. Die Preissteigerungen müssen mit gestiegenen Kosten begründbar sein. Die Margen der Ölkonzerne dürfen nicht auf Basis von Spekulation und Risikoaufschlägen steigen. Die Preiskommission soll mit Unterstützung der Bundeswettbewerbsbehörde ungerechtfertigte Preisaufschläge rasch identifizieren. Die derzeit laufende Untersuchung darf nicht ohne Folgen bleiben. Es braucht klare Ergebnisse, die die Menschen an der Zapfsäule spüren. Ungerechtfertigte Preissteigerungen im Inland müssen unabhängig von internationalen Vergleichen überprüfbar sein und sollen ebenfalls eine Grundlage für Preiseingriffe darstellen.

2.    Vorbild Kroatien: Rechtzeitig, strategisch und gezielt in Preise eingreifen

Preiseingriffe müssen verhältnismäßig sein und mit Augenmaß erfolgen: Eine Preisdeckelung der Spritpreise wie in Kroatien kostet den Staat nichts, sorgt aber dafür, dass Tankstellenbetreiber keine Übergewinne machen. Zusätzlich müssen die Raffinerien in die Pflicht genommen werden. Der gestiegene Öl- und Gaspreis darf sich nicht in steigende Energiepreise und somit insgesamt steigende volkswirtschaftliche Preise umsetzen. Dafür braucht es rasch den Energiekrisenmechanismus. Auch in anderen wesentlichen Bereichen wie bei Lebensmitteln und Mieten braucht es angemessene Eingriffe.

3.    Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten

Wir müssen von Öl- und Gasimporten unabhängig werden. Dafür braucht es den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs, nachhaltiger Wärmeenergie und der erneuerbaren Stromproduktion.

4.    Erneuerbarer Strom: Niedrige Produktionskosten an Verbraucher:innen weitergeben

Die niedrigeren Kosten der erneuerbaren Stromproduktion müssen in Form von niedrigen Preisen an die Verbraucher:innen weitergegeben werden. Konkret sollten Energieversorger mit günstiger erneuerbarer Stromproduktion entsprechend günstige Verträge anbieten, wie das auch im neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) vorgesehen ist.

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