Unterstützung und Ablehnung von Betriebs­räten durch Führungs­kräfte: Frauen und mitt­leres Manage­ment vs. „Controlling Owner“

11. März 2026

Wie Führungskräfte allgemein auf die betriebliche Mitbestimmung blicken, zeigt ein kürzlich am A&W-Blog erschienener Beitrag. Aber sind Führungskräfte mögliche Bündnispartner:innen, wenn es um Betriebsratsgründungen geht? Hier gibt es einen großen Unterschied zwischen mittlerem Management und Unternehmenseigentümer:innen. Unter den Eigentümer:innen würden deutlich mehr versuchen, eine Betriebsratsgründung zu verhindern. Weibliche Führungskräfte stehen Betriebsräten außerdem positiver gegenüber als männliche.

Unterstützung einer Betriebsratsgründung durch Führungskräfte?

Eine aktuelle Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der AK Wien liefert dazu Einblicke: Stellt man Führungskräfte ohne Betriebsrat vor die Wahl zwischen Betriebsrat, Vertrauensperson oder gar keiner Beschäftigtenvertretung, tendiert eine deutliche Mehrheit (53 Prozent) zur Vertrauensperson, nur 15 Prozent zum Betriebsrat und 17 Prozent wollen explizit gar keine Vertretung. Es erscheint nachvollziehbar, dass ein:e Ansprechpartner:in aus der Belegschaft, die aber nicht mit den Rechten eines Betriebsrates ausgestattet ist, für Führungskräfte mitunter „angenehmer“ sein kann. Wenn es aber zu einer Gründung eines Betriebsrats kommt, geben Führungskräfte trotzdem an, mehr Unterstützung als Widerstand zu leisten.

© A&W Blog


Während 28 Prozent aller Führungskräfte aus Unternehmen ohne Betriebsrat die Gründung eines Betriebsrates unterstützen würden, geben 48 Prozent an, weder zu unterstützen noch zu verhindern, und 12 Prozent, dass sie sogar versuchen würden, die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern.

Eigentümer:innen mit größter Ablehnung

Deutlich sichtbar wird innerhalb der Gruppe jener, die angeben, einen Betriebsrat sogar verhindern zu wollen, ein Unterschied nach Position: 17 Prozent der Eigentümer:innen und 11 Prozent der Geschäftsführer:innen wollen eine mögliche Gründung eines Betriebsrates aktiv verhindern. In der zweiten Führungsebene sind es viel weniger, nämlich nur 6 Prozent.

Auch Männer und jüngere Personen sind in der Gruppe, die eine Betriebsratsgründung verhindern würden, häufiger vertreten. Besonders augenscheinlich ist aber: Fast die Hälfte jener Führungskräfte, die angeben, die Gründung eines Betriebsrates verhindern zu wollen, sind Eigentümer:innen.

Auch eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2023 zeigt für Deutschland, dass „die betriebliche Mitbestimmung gerade in jenen Bereichen auf verminderte Akzeptanz [stößt], wo Eigentümer:innen ihr Geschäft persönlich führen und nur eine geringe Bereitschaft zeigen, die Macht im Betrieb mit einer weiteren Instanz zu teilen“. Die befragten Gewerkschaftsvertrauenspersonen gaben hier an, bei 21 Prozent aller erstmals durchgeführten Betriebsratswahlen Behinderungen seitens der Arbeitgeber:innen erlebt zu haben. In 62 Prozent der Fälle (und somit in überproportionalem Ausmaß) wurden diese Betriebe vom Eigentümer selbst geführt.

Prominente Fälle von Betriebsratsablehnung sind offenbar auch nicht zufällig im kollektiven Gedächtnis der Zweiten Republik mit einem bestimmten Typus eines operativ involvierten, männlichen Eigentümers verbunden. „Wer die Bedingungen nicht akzeptiert, soll doch woanders arbeiten“, geht auf Niki Lauda zurück. „Wer das Gold hat, macht die Regeln“, meinte Frank Stronach und als „nicht gerade dienlich“ bezeichnete Dietrich Mateschitz den Versuch, einen Betriebsrat zu gründen. Alle drei verkörper(te)n den Typus eines Mehrheitseigentümers mit starken Erwartungshaltungen und Gestaltungsansprüchen an die Betriebsführung bis hin zu eigener operativer Mitarbeit im Betrieb und dessen Leitung – auch als „Owner-Manager“ oder „Controlling Owner“ bezeichnet.

Weibliche und mittlere Führungskräfte mit stärkerer Zustimmung

Weibliche Führungskräfte ohne Betriebsrat äußern sich deutlich positiver zu möglichen Betriebsratsgründungen als männliche: Frauen in Führungspositionen finden es wichtiger als Männer, dass es im Unternehmen einen gewählten Betriebsrat gibt (58 Prozent der weiblichen Führungskräfte mit Betriebsrat im Vergleich zu 48 Prozent der männlichen bezeichnen dies als sehr wichtig, in Unternehmen ohne Betriebsrat sind es 12 Prozent der Frauen, aber nur 7 Prozent der Männer). Außerdem würden 36 Prozent der Frauen im Vergleich zu 24 Prozent der Männer eine Betriebsratsgründung unterstützen. Demgegenüber zeigt sich, dass der Anteil an männlichen Führungskräften, die sich für die Verhinderung eines Betriebsrates aussprechen, fast doppelt so hoch ist wie unter den weiblichen Führungskräften.

Diese Unterschiede sind nicht nur darauf zurückzuführen, dass Frauen sich strukturell, also z. B. in ihrer Position, von Männern unterscheiden. Ein Gender Gap, der Frauen eher als potenzielle Unterstützerinnen und seltener als Gegnerinnen von Betriebsratsgründungen identifiziert, ist in den Daten nachweisbar. Dies ist auch bemerkenswert, da der „Wunsch“ nach einem Betriebsrat in der Studie „Betriebliche Mitbestimmung in Österreich“ von Frauen und Männern in der Gruppe der Arbeitnehmer:innen ohne Betriebsrat in ungefähr gleichem Ausmaß geäußert wurde und Frauen – trotz erkennbarer Fortschritte – nach wie vor in Betriebsratsgremien weniger stark repräsentiert sind als ihre männlichen Kollegen.

Bei Unterscheidung nach Funktion bzw. Führungsebene kommt die stärkste Unterstützung für Betriebsratsgründungen mit 31 Prozent bzw. 32 Prozent aus dem Bereich der Bereichs-/Abteilungsleiter:innen und Stellvertreter:innen sowie den „sonstigen Führungskräften“ – und somit auch hier nicht aus dem Top-Management. Diese positivere Haltung ist wohl auch mit der Tatsache verbunden, dass sich das mittlere Management – wenn schon ein Betriebsrat gewählt wurde – zu 75 Prozent sehr oder eher gut von diesem vertreten fühlt.

Ob Betriebsräte durch ihre Führungskräfte unterstützt oder sogar aktiv an ihrer Arbeit gehindert werden, hängt also maßgeblich davon ab, um welche Führungskraft es sich handelt. Eigentümer:innen stehen Betriebsräten deutlich feindlicher gegenüber als Führungskräfte des mittleren Managements. Von weiblichen Führungskräften können Betriebsratsmitglieder im Durchschnitt außerdem mehr Unterstützung erwarten als von männlichen.

Methodischer Anhang: Wer und wie wurde befragt?

Als Führungskräfte bezeichnet die Studie erwerbstätige Personen in wirtschaftlichen Organisationen ab fünf Mitarbeiter:innen aus der Privatwirtschaft und der Gemeinwirtschaft, die für andere Mitarbeiter:innen (dienstrechtlich) zuständig und/oder für maßgebliche budgetäre Entscheidungen im Unternehmen verantwortlich sind. Damit sind u. a. Inhaber:innen, geschäftsführende Gesellschafter:innen, Mitglieder der Geschäftsführung, Direktor:innen, Bereichs- oder Abteilungsleitung oder sonstige leitende Mitarbeiter:innen angesprochen. Für das vorliegende Projekt wurden Führungskräfte aus der Hoheitsverwaltung nicht befragt, um die Vergleichbarkeit zur Studie „Mitbestimmung in Österreich 2022“ herzustellen. 

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