2025 war ein gutes Einkommensjahr für die Land- und Forstwirtschaft. Die Einkünfte stiegen im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 18 %, wobei die Höhe der Einkünfte zwischen den Betrieben weit auseinanderklaffte. Der wichtigste Faktor dieser Zuwächse waren hohe Erträge dank ausreichender Niederschläge. Durch diese hohen Erntemengen konnten Vorräte gebildet werden, die helfen, das Dürrejahr 2026 besser zu bewältigen. Dennoch machen die Hitze und der fehlende Niederschlag der vergangenen Monate deutlich: Die Anpassung an den Klimawandel ist für die Landwirtschaft unausweichlich, um hohe Erträge und Einkommen zu erzielen. Treffsichere Fördergelder und Klimaanpassungsmaßnahmen sollten in Zukunft einen zentralen Beitrag dazu leisten.
Deutliche Steigerung der durchschnittlichen Einkünfte in den letzten fünf Jahren
Betrachtet man die Entwicklung der letzten zehn Jahre, ist deutlich zu erkennen, dass die Einkommen sehr volatil sind. Gerade in den letzten fünf Jahren kam es zu einer deutlichen Zunahme der Einkünfte.
Während die durchschnittlichen Einkünfte pro Betrieb bis 2020 auf stabilem Niveau blieben, stiegen sie von 2021 auf 2022 um mehr als 40 %. Allerdings kam es in Folgejahr zu einem Rückgang von 16 %. Daran schlossen wiederum zwei Jahre steigender Einkünfte an. Im Jahr 2025 betrugen die durchschnittlichen Einkünfte pro Betrieb 47.102 €, das sind um 69 % mehr als 2020.
Einkünfte der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe ungleich verteilt
Die Bandbreite der Einkommen innerhalb des Agrarsektors ist am besten durch Bildung von Quartilen sichtbar: Dabei werden alle Betriebe nach ihrem Pro-Kopf-Einkommen sortiert und in vier gleich große Gruppen eingeteilt.
Während die untersten 25 % im Durchschnitt einen Verlust erwirtschafteten, betrug das Pro-Kopf-Einkommen im einkommensstärksten Viertel durchschnittlich rund 82.000 €. Dabei ist zu klarzustellen, dass bei dieser Berechnung im Rahmen des Grünen Berichts die Großbetriebe nicht einbezogen wurden. Auffallend ist, dass das einkommensstärkste Viertel mehr als doppelt so hohe Einkommen erzielte wie das zweitstärkste Viertel. Damit wird die ungleiche Verteilung der Einkommen zusätzlich besonders deutlich.
Verfügbares Haushaltseinkommen im Haupterwerb deutlich höher
Von den rund 100.000 landwirtschaftlichen Betrieben werden 53 % im Haupterwerb und 44 % im Nebenerwerb geführt, der Rest ist als juristische Personen ausgewiesen. Da Nebenerwerbsbetriebe vornehmlich Einkommen aus nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit erzielen, ist für den Vergleich der beiden größten Gruppen das gesamte verfügbare Haushaltseinkommen heranzuziehen.
Bei Haupterwerbsbetrieben stammt der überwiegende Teil der Einkünfte aus der Landwirtschaft inklusive Agrarförderungen. Im Gegensatz dazu macht dies bei den – im Verhältnis kleineren – Nebenerwerbslandwirtschaften einen geringeren Teil des Haushaltseinkommens aus. Der Großteil der Einkommen stammt bei diesen Haushalten aus unselbständiger Arbeit. Trotz dieses zusätzlichen außerlandwirtschaftlichen Arbeitseinkommens erreichen die Nebenerwerbsbetriebe insgesamt nicht die Einkommenshöhe der Haupterwerbsbetriebe. In Summe ist das verfügbare Haushaltseinkommen bei Haupterwerbsbetrieben um mehr als die Hälfte höher als bei Nebenerwerbsbetrieben. Bemerkenswert ist auch der Vergleich der entsprechenden Einkommenssteuer aus landwirtschaftlicher Tätigkeit. So hatten die Haupterwerbsbetriebe aufgrund ihres land- und forstwirtschaftlichen Einkommens (74.552 € nach Abzug der Sozialversicherung) im Durchschnitt 1.441 € Einkommenssteuer zu zahlen, während die Nebenerwerbsbetriebe mit einem deutlich niedrigeren Einkommen aus Land- und Forstwirtschaft von rund 4.100 € dennoch 815 € bezahlen mussten.
Bessere Ernten und teilweise höhere Preise 2025
Bei einem durchschnittlichen Zuwachs der Einkünfte von 18 % stellt sich die Frage, wie dieser zustande gekommen ist. Zentraler Faktor sind die gestiegenen Erntemengen. So fiel beispielsweise die Ernte für Weichweizen um 17 % und für Körnermais um 35 % höher aus als im Jahr davor. Die daraus resultierenden Vorräte stehen im Dürrejahr 2026 zur Verfügung. Für Hart- und Weichweizen, die für die Lebensmittelerzeugung wichtig sind, war für Ende Juni ein um 60 % höherer Lagerbestand festgestellt worden. Von wichtigen Getreidearten wie Gerste und Mais, die überwiegend als Tierfutter Verwendung finden, waren um 80 % bzw. um 10 % mehr vorrätig.
Neben der Entwicklung der Produktionsmengen sind die Preise der zweite Parameter, der für die Einkommen der Landwirt:innen maßgeblich ist. Während die Erzeugerpreise für Mais aufgrund der hohen Erntemengen rückläufig waren bzw. für Weizen nur eine geringe Steigerung auf niedrigem Niveau erzielt wurde, stieg der Milchpreis um knapp 11 % und der Rinderpreis um 33 %. Im Durchschnitt wurde ein Plus von 5 % für die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse errechnet. Für das laufende Jahr 2026 wurden aufgrund der gesunkenen Erntemengen bereits Preissteigerungen verzeichnet, sodass anzunehmen ist, dass die Einnahmenausfälle durch die geringeren Erntemengen zumindest zum Teil kompensiert werden können.
Förderungen als wichtiger Bestandteil für den Agrarsektor
Ein weiterer wichtiger Faktor für die Höhe der landwirtschaftlichen Einkünfte sind öffentliche Gelder bzw. Agrarförderungen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2025 ein Plus von 3 %, was durchschnittlich pro Betrieb eine Fördersumme von knapp 24.000 € ausmachte.
Die Zahlungen an die Land- und Forstwirtschaft von 2,83 Mrd. € im Jahr 2025 stammen zur Hälfte aus dem EU-Budget im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Die andere Hälfte teilen sich Bund (26 %) und Länder (24 %).
Drei Arten von Zahlungen an die Landwirte sind zu unterscheiden:
- Rund 600 Mio. € Förderungen werden über die erste Säule der GAP ausgeschüttet, die sog. Marktordnungsausgaben. Die Mittel stammen nahezu ausschließlich aus dem EU-Budget. Der überwiegende Teil dieser Gelder wird an die Betriebe abhängig von der Größe ihrer Flächen verteilt.
- Knapp 1,6 Mrd. € an Förderungen gibt es in der zweiten Säule der GAP. Rund die Hälfte dieser Gelder stammt ebenfalls von der EU, mehr als ein Viertel vom Bund und der Rest von den Ländern. Zu dieser zweiten Säule zählt insbesondere das Programm zur Förderung einer umweltfreundlichen Landwirtschaft (ÖPUL), die Ausgleichszulage für Berglandwirtschaft und die Investitionsförderungen.
- Zusätzlich zu den obligatorischen GAP-Zahlungen der beiden Säulen werden sonstige Maßnahmen in Höhe von 635 Mio. € ausschließlich aus den nationalen Budgets von Bund und Ländern getragen. Dazu gehören vor allem Ernte- und Tierversicherungen, Beratungen und zusätzliche Zahlungen wie z. B. der Agrardiesel.
Folgen für den Dürresommer 2026
Nach den positiven Zahlen 2025 war das aktuelle Jahr durch langanhaltende Hitzeperioden und durch geringe Niederschläge vor allem in Ostösterreich geprägt. Die österreichische Bundesregierung reagierte darauf mit einem Dürre-Hilfspaket für die Landwirtschaft in Höhe von 240 Mio. €. Dieses beinhaltet finanzielle Unterstützung für Landwirt:innen bei den Sozialversicherungsbeiträgen, Zinszuschüsse zu Betriebsmittelkrediten und Ratenstundungen bei Agrarinvestitionskrediten. Zusätzlich wird der Anteil der öffentlichen Gelder an den Versicherungsprämien auf 65 % für das Jahr 2027 erhöht.
Was all diese Unterstützungen im Rahmen des Hilfspakets gemeinsam haben: Die Betriebe erhalten diese Zahlungen unabhängig vom Grad ihrer Betroffenheit. Dieses Gießkannenprinzip trägt nicht dazu bei, treffsichere Unterstützung dort zu geben, wo sie notwendig ist. Es leistet auch keinen Beitrag dazu, die Landwirtschaft besser an den Klimawandel anzupassen.
Was braucht es für eine resiliente Landwirtschaft?
Da wir in den nächsten Jahren vermehrt mit Hitzeperioden und Dürrephasen rechnen müssen, muss die Agrarpolitik einerseits Maßnahmen gegen den Klimawendel setzen und andererseits die Produktion resilienter gestalten. Für die Anpassung an den Klimawandel steht im Vordergrund:
- den Anbau von Pflanzenarten zu forcieren, die stärker an die Hitze- und Trockenphasen angepasst sind;
- ausschließlich Bewirtschaftungsformen zu unterstützen, die die Bodenerosion vermindern und den Humusaufbau fördern;
- die Biodiversität besser zu schützen und dadurch die Ökosysteme zu stärken;
- ausschließlich effiziente und sparsame Bewässerungsformen zu fördern, um den Wasserbedarf in der Landwirtschaft zu senken;
- die Tierhaltung an die Futterverfügbarkeit anzupassen.
Eine zukunftstaugliche Agrarpolitik sollte zudem die großen Einkommensunterschiede stärker aufgreifen und die Landwirtschaft in eine resiliente Zukunft führen. Hierfür ist jetzt der entscheidende Zeitpunkt, denn derzeit wird in Brüssel die neue Verordnung zur Gemeinsamen Agrarpolitik von 2028 bis 2034 verhandelt. In diesem Rahmen braucht es:
- eine stärkere Ausrichtung der Förderungen auf die soziale Konditionalität: Im Falle von Verstößen gegen Arbeits- und Sozialrecht sollten Förderungen für die Betriebe deutlich reduziert werden.
- eine gerechtere Verteilung der Agrarförderungen auf EU-Ebene: 80 % der GAP-Gelder der 1. Säule gehen an 20 % der landwirtschaftlichen Betriebe. Der Kommissionsvorschlag zur neuen GAP-Verordnung ab 2028 sieht eine maximale Förderung von 100.000 Euro pro Betrieb vor, steht aber im Rat der Agrarminister:innen und im Europäischen Parlament massiv unter Druck.
- eine Bindung von Agrarförderungen vornehmlich an Umwelt- und Klimaziele: Einerseits durch verpflichtende Vorgaben auf europäischer Ebene im Rahmen der GAP ab 2028 und andererseits auf nationaler Ebene bei der Ausarbeitung der Umsetzungspläne.
- eine obligatorische Umsetzung der Risikoversicherung auf EU-Ebene im Rahmen der GAP und daraus folgend keine Leistung von Entschädigungszahlungen für versicherbare Schäden.