Die Klimakrise spitzt sich dramatisch zu. Das 1,5-Grad-Ziel rückt in immer weitere Ferne. Gleichzeitig wachsen die Vermögen weniger Menschen schneller denn je. Der Climate Inequality Report 2025 zeigt, dass diese beiden Entwicklungen enger zusammenhängen, als oft angenommen wird. Denn nicht nur Konsum, sondern vor allem Eigentum entscheidet darüber, wer die Klimakrise antreibt, wer unter ihr leidet und wer die Mittel hat, sie zu bekämpfen. Eine gerechte Klimapolitik muss daher Eigentumsfragen ins Zentrum ihrer Gestaltung stellen.
Extreme Vermögenskonzentration und ihre klimapolitischen Folgen
Häufig wird über den Zusammenhang von Einkommen und Emissionen gesprochen. Tatsächlich verursachen die reichsten Teile der Weltbevölkerung einen großen Anteil der globalen konsumbezogenen Emissionen, während sie selbst vergleichsweise wenig unter den Folgen des Klimawandels leiden. Doch mindestens genauso wichtig wie Einkommen ist Vermögen. Wer Unternehmen, Immobilien oder Finanzanlagen besitzt, entscheidet, wie produziert wird, welche Technologien genutzt werden und ob klimaschädliche Geschäftsmodelle fortbestehen.
Vermögen ist extrem ungleich verteilt. Laut dem World Inequality Report 2026 verfügen die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung über 75 Prozent des globalen Vermögens, während die ärmere Hälfte fast nichts besitzt. Diese Konzentration bedeutet Macht: wirtschaftlich und (klima)politisch. Hinzu kommt, dass Investitionsentscheidungen über Energie, Industrie oder Infrastruktur zunehmend in privaten Händen liegen, während viele Staaten kaum noch eigenes Vermögen haben, um notwendige Investitionen selbst zu tätigen.
Diese Vermögenskonzentration hat konkrete Folgen für das Klima. Werden Emissionen den Eigentümer:innen von Unternehmen zugerechnet, die sie unmittelbar verursachen, sinkt der Beitrag der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung von 10 auf 3 Prozent im Vergleich zum konsumbasierten Ansatz; der Anteil der reichsten 10 Prozent an den globalen Emissionen steigt hingegen von 47 auf 77 Prozent (Grafik 1). Für Österreich zeigt sich im Wesentlichen das gleiche Bild: Auf die ärmere Hälfte entfallen rund 4 Prozent der Emissionen aus Kapitalanlagen, während der Anteil der oberen 10 Prozent bei mehr als drei Viertel liegt. Dass sich klimaschädliche Investitionen weiter lohnen, wird auch daran deutlich, dass immer noch enorme Summen in neue Öl-, Gas- und Kohleprojekte fließen, obwohl längst klar ist, dass allein ihre Nutzung Klimaziele unerreichbar machen würde. Wie der Climate Inequality Report 2025 zeigt, finden viele dieser Projekte im globalen Süden statt, werden aber von Investor:innen aus dem globalen Norden kontrolliert. So profitieren Vermögende weiter von klimaschädlicher Produktion, während oft andere Regionen die ökologischen und sozialen Kosten tragen.
Die Klimawende als Verteilungsfrage der Zukunft
Gleichzeitig bietet die Klimawende eine einmalige Chance für eine Umverteilung von Vermögen. Wenn fossile Energien konsequent zurückgedrängt werden, verlieren klimaschädliche Anlagen massiv an Wert. Zugleich erfordert der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft riesige Investitionen in neue Infrastruktur: Laut der Climate Policy Initiative müssen in den nächsten Jahrzehnten rund 266 Billionen US-Dollar in emissionsarme Infrastruktur investiert werden. Dies entspricht etwa dem Wert des gesamten globalen Kapitalstocks im Jahr 2022. Wer diese neuen Investitionen tätigt, wird die Vermögensverteilung der Zukunft prägen. In Grafik 2 sieht man die Projektionen zu den benötigten Klimainvestitionen bis 2050, kombiniert mit der heutigen Vermögensverteilung: Finanzieren und kontrollieren die reichsten 1 Prozent der Weltbevölkerung die neuen Investitionen, könnte ihr Vermögensanteil von derzeit 38,4 Prozent auf fast 46 Prozent im Jahr 2050 steigen (Szenario 1). Wird die Klimawende hingegen über eine Vermögenssteuer finanziert und das neu entstehende Vermögen anschließend in der Verteilung nach unten umgeschichtet, könnte dieser Anteil deutlich sinken (Szenario 2).
Gerechte Klimapolitik muss Eigentum regulieren
Eine gerechte Klimapolitik darf sich daher nicht auf individuelles Verhalten beschränken. Sie muss Eigentumsfragen in den Mittelpunkt stellen: So könnte ein Verbot fossiler Investitionen, wie es etwa im Rahmen von Initiativen für einen Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty gefordert wird, unmittelbar einen substanziellen Beitrag zur Verlangsamung der Klimakrise leisten. Ergänzend könnte eine Vermögenskomponente die CO2-Bepreisung deutlich progressiver gestalten als eine rein konsumbezogene Steuer und dabei öffentliche Einnahmen generieren, die gezielt für emissionsarme Investitionen genutzt werden können. Generell sollte der öffentliche Sektor eine aktive Rolle bei der Finanzierung und demokratischen Kontrolle des Ausbaus von klimaneutraler Infrastruktur übernehmen, um die Klimawende voranzutreiben und gleichzeitig bestehende Vermögensungleichheiten abzubauen.