Ab 1945 waren die Rahmenbedingungen für das Entstehen eines sozialpartnerschaftlichen Konfliktregelungs- und Steuerungsinstrumentariums wesentlich günstiger als nach dem Ersten Weltkrieg. Der demokratische Sozialstaat und damit auch die Einbindung der Gewerkschaftsbewegung in die „große Politik“ galten als bestes Bollwerk gegen den Faschismus und ...
Die Sozialpartnerschaft wird als eines der Markenzeichen der Zweiten österreichischen Republik angesehen. Tatsächlich entwickelte sich dieser Mechanismus der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Konfliktregelung aber über mehr als ein Jahrhundert parallel zu den kleinen und großen Demokratisierungsprozessen der österreichischen Geschichte. Rü...
Universitätsprofessor:innen sind so wenig unfehlbar wie andere Menschen. Das bewies neulich ein prominenter Politikwissenschaftler und TV-Star, als er die österreichische Sozialpartnerschaft in einem Zeitungskommentar als „Netzwerk“ der großen Interessenvertretungen bezeichnete. Unzutreffender könnte diese Einschätzung nicht sein, beachtet man ihr...
Die Regierung hat den Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauen- und Geschlechterforschung ersatzlos gestrichen, den Ersatzpreis will man unter neuem Namen „neu konzipieren“. Damit werden die soziale Dimension der Frauenanliegen und antifaschistische Erinnerungskultur in Österreich zurückgedrängt.
Im April vor 75 Jahren wurde die österreichische Gewerkschaftsbewegung wieder aufgebaut und neu organisiert. Der Österreichische Gewerkschaftsbund stellte das Jahr, in dem er an seine Gründung vor einem Dreivierteljahrhundert erinnert, unter das Motto: „Ein gutes Leben für alle“. Das Recht, sich zu organisieren, um für dieses Ziel einzutreten, ist...
Viele
sozialpolitische Maßnahmen der Republikgründungsjahre Österreichs bedeuteten
einen großen Schritt in Richtung Sozialstaat, konnten aber an (zumeist sehr
unvollkommene) Gesetze aus der Kaiserzeit anknüpfen. Sozialversicherung, Arbeitszeitverkürzung
und das Verbot der Kinderarbeit seien hier als Beispiele genannt. Zwei
Maßnahmen stellten für G...
Heute vor 100 Jahren wurde das erste AK-Gesetz beschlossen. Die neu geschaffenen Arbeiterkammern waren ein starkes Zeichen der sozialen Gerechtigkeit: ArbeitnehmerInnen wurden im neuen demokratischen Staat endlich auf eine Stufe mit anderen Gruppen gehoben.
Vor 100 Jahren, am 30. Juli 1919, beschloss die konstituierende Nationalversammlung der jungen österreichischen Republik das Arbeiter-Urlaubsgesetz. Es war nicht das erste Gesetz, das einen Anspruch auf bezahlten Urlaub zuerkannte. Die Bresche in die Privilegienmauer der „besseren Stände“ hatten noch in der Monarchie die kaufmännischen Angestellten...
Vor hundert Jahren wurden die Fundamente für den modernen österreichischen Sozialstaat gelegt. Es war das Jahr 1919, als die konstituierende Nationalversammlung der jungen Republik das erste Betriebsrätegesetz und das erste Kollektivvertragsgesetz beschloss. Gleichzeitig machten die Richtungsgewerkschaften den Weg für den Beschluss des ersten Arbei...
Arbeiterkammern entstanden 1920/1921 im Rahmen der Sozialoffensive der ersten österreichischen Republik als Gegenüber der Handelskammern. So deklarierte das Parlament die Anerkennung der ArbeitnehmerInnen als vollwertige BürgerInnen über das Wahlrecht hinaus. Immer wenn der demokratische Sozialstaat unter Beschuss geriet, ob durch die autoritär-fas...
Brigitte Pellar war Historikerin mit dem Schwerpunkt Geschichte der ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretungen. Bis 2007 leitete sie das Institut für Gewerkschafts- und AK-Geschichte in der AK Wien.