Als freiwillig organisierte Konsuminitiativen tragen Repair-Cafés zur Stärkung der sozial-ökologischen Resilienz bei, indem sie das Gemeinwesen festigen, Ressourcen schonen und Räume für Gemeinschaft, Teilhabe und den Austausch von Wissen schaffen.
In einer Studie des Umweltdachverbandes (in Kooperation mit Re-Use Austria) im Auftrag der Arbeiterkammer Wien wurden mittels Sekundärdatenanalyse und fünf leitfadengestützten Expert:innen-Interviews die Entwicklung, bestehende Strukturen sowie Hindernisse und Erfolgsfaktoren von Repair-Cafés in Österreich untersucht.
Von ersten lokalen Grassroots-Initiativen …
In Österreich gab es 2013 die ersten Repair-Cafés in den Städten Graz und Salzburg. Inspiriert waren sie von Initiativen in den Niederlanden oder Deutschland. Seither wurden über 300 Gruppen in ganz Österreich gegründet.
In Graz war es eine kleine Gruppe von Freiwilligen, die Impulse für eine ganze Region gebracht hat und als lose organisierter Zusammenschluss arbeitet. Eine Besonderheit in der Stadt Salzburg ist, dass Repair-Cafés über das Bewohnerservice Lehen & Taxham angeboten werden, eine wertvolle Unterstützungsstruktur für diese Initiativen. Auch in Tirol unterstützt eine eigene Repair-Café-Servicestelle die Gastgeber:innen und ist im Tiroler Bildungsforum angesiedelt. Während am Land Engagement stärker über persönliche Netzwerke organisiert wird, führt städtische Anonymität dazu, dass eher kleine, voneinander getrennte Gruppen aktiv sind. Wien war über lange Zeit kaum in der Repair-Café-Szene vertreten, aber mit dem Verein Repair Team Wien gibt es nun mittlerweile sechs fixe Standorte, an denen regelmäßig Repair Cafés stattfinden.
Während anfänglich Unsicherheiten zu Haftung und rechtlicher Einordnung herrschten, hat sich die Wahrnehmung der Repair-Cafés insgesamt professionalisiert – auch durch die Einführung der Repair-Café-Versicherung sowie durch eine klarere Abgrenzung zu gewerblichen Reparaturdienstleister:innen.
… zu einem gesellschaftlich anerkannten Bestandteil der Kreislaufwirtschaft
Vor dem Hintergrund der europäischen und nationalen Kreislaufwirtschaftspolitik kommt Repair-Cafés eine Schlüsselrolle zu, da sie eine niederschwellige Möglichkeit bieten, Bürger:innen die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft näherzubringen, und gleichzeitig praktische Lösungen zur Verlängerung der Lebensdauer von Produkten bereitstellen.
„(…) ein Repair-Café macht sozusagen Kreislaufwirtschaft sichtbar und erfahrbar und nicht nur als Appell einer Konsumveränderung, sondern ist auch mit Freude und Erfolgserlebnis gekoppelt“, so der Geschäftsführer von Re-Use-Austria.
Laut einem Betreuer der Servicestelle für Repair-Cafés in Tirol wird das als positiver Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Umwelt und für nachfolgende Generationen gesehen. Durch den Austausch und die Kooperation in solchen Gemeinschaften entsteht eine Community, die das Gefühl des Einzelkämpfertums im Dorf oder Land überwindet. Repair-Cafés erfüllen damit auch wichtige soziale Funktionen und fördern Partizipation am Gemeindeleben.
Heterogene Repair-Café-Landschaft, aber begrenzte soziale Vielfalt
Die Mehrheit der Repair-Café-Initiativen ist in Österreich ohne formale Struktur oder als Verein organisiert. Insgesamt sind die Repair-Cafés breit aufgestellt und werden unter anderem noch von kirchlichen Einrichtungen, sozialen Unternehmen oder Bildungseinrichtungen getragen.
Auch die Räumlichkeiten, in denen die Repair-Café-Veranstaltungen stattfinden, sind sehr divers und reichen von Schulen über Gemeindesäle, Pfarren bis hin zu Altstoffsammelzentren.
Die Daten zeigen große Unterschiede zwischen den Bundesländern im Hinblick auf die Standortdichte der Repair-Cafés sowie deren Anzahl an Veranstaltungen, Freiwilligen, Besucher:innen und Reparaturversuchen.
Die Standortdichte und das Freiwilligenengagement betreffend stechen insbesondere Tirol, Salzburg, Oberösterreich und die Steiermark hervor. Betrachtet man die Anzahl der Veranstaltungen in Relation zur Bevölkerung, liegen Vorarlberg und Oberösterreich vorne. Gemessen an der durchschnittlichen Anzahl an Besucher:innen und Reparaturversuchen pro Veranstaltung, erfreuen sich die Repair-Cafés in Tirol besonderer Beliebtheit. In Wien und im Burgenland sind die Veranstaltungen hingegen weniger stark frequentiert.
So heterogen die Repair-Café-Landschaft ist, so homogen sind die freiwilligen Reparaturhelfer:innen sowie die Besucher:innen. In beiden Gruppen sind bestimmte Alters- und Geschlechtsgruppen häufig vertreten. Unter den Reparaturhelfer:innen sind vor allem technikaffine Männer (Ausnahme: Nähcafés) ab 50 Jahren. Bei den Besucher:innen sind Familien und ältere Menschen die primären Gruppen. Junge Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund nehmen seltener teil. Diese eingeschränkte Diversität begrenzt das Potenzial der Repair-Cafés, breitere Bevölkerungsgruppen anzusprechen und gesellschaftliche Teilhabe über verschiedene soziale Milieus hinweg zu fördern.
Unterstützung pusht Initiativen
Die Entwicklung zeigt, dass förderpolitische Instrumente wichtige Impulse für die Repair-Café-Bewegung gegeben haben. Dazu zählen Instrumente wie der 2017 eingeführte Reparaturbonus samt Sachkostenförderung für Repair-Cafés in der Stadt Graz oder der 2022 eingeführte österreichweite Reparaturbonus. Letzterer wirkte sich zwar teilweise negativ auf die Nachfrage nach Repair-Cafés aus, weil er professionellen Reparaturdienstleister:innen vorbehalten war, aber dennoch stärkte diese bundesweite Initiative der öffentlichen Hand das Bewusstsein für Reparatur. In Deutschland bekommen hingegen auch Repair-Cafés eine Förderung von einmalig 3.000 Euro für die Beschaffung von Werkzeug oder die Miete von Räumen. Auf Länderebene sind finanzielle Unterstützungen für Service- und Koordinierungsstellen oder Programme wie TIROL 2050 energieautonom positiv hervorzuheben.
Auch Gemeinden sind wesentliche Akteurinnen in der Förderung von Repair-Cafés. Sie fungieren nicht nur als Veranstalterinnen und Kooperationspartnerinnen, sondern stellen in der Regel auch kostenlos ihre kommunale Infrastruktur für Repair-Café-Veranstaltungen zur Verfügung (Schulen, Kindergärten, Gemeindesäle etc.). Kooperationen mit Gemeinden erleichtern den Zugang zu lokalen Netzwerken und damit zu interessierten ehrenamtlichen Helfer:innen und Besucher:innen. Diese Formen der Unterstützung sind wesentliche Erfolgsfaktoren für Repair-Cafés.
Handlungsempfehlungen
Durch die Entwicklung und Professionalisierung von Repair Cafés können diese als Good-Practice-Beispiele auch für andere zivilgesellschaftliche Initiativen in der Kreislaufwirtschaft gesehen werden. Dazu zählen z. B. Leihläden oder Makerspaces, die im Vergleich zu Repair-Cafés noch nicht so verbreitet sind. Um die Potenziale von Repair-Cafés und anderen wichtigen Initiativen in Österreich weiter auszuschöpfen und deren Verstetigung und langfristige Etablierung als zentrale Bestandteile der Kreislaufwirtschaft zu fördern, braucht es nachstehende Maßnahmen:
- Unterstützende Infrastruktur: Service- und Koordinierungsstelle(n) für Repair-Cafés und andere nachhaltige Initiativen aufbauen und dauerhaft fördern – bundesweit und in den Ländern.
- Teilen, reparieren und wiederverwenden statt wegwerfen: Repair-Cafés und ähnliche Projekte sind wichtige Teile einer gelebten Kreislaufwirtschaft und sollen in kommunalen, regionalen und länderspezifischen Umwelt-, Klima- und Energieförderungsprogrammen sowie der Umsetzung der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie berücksichtigt werden.
- Nachhaltige Produktgestaltung forcieren: Produkte müssen langlebiger und reparierbar werden. Ersatzteile und Reparaturinfos sollen verpflichtend bereitgestellt werden (rasche und ambitionierte Umsetzung der Ökodesign-Verordnung). Repair-Cafés müssen ins Reparaturregister aufgenommen werden – Recht auf Reparatur jetzt umsetzen (Right-to-Repair-Richtlinie).
- Bewusstsein für nachhaltigen Konsum schärfen: Es braucht mehr Bewusstseinsbildung, mehr Reparatur-Know-how, mehr Sichtbarkeit für Repair-Cafés und andere Initiativen in der Öffentlichkeit, im medialen Diskurs und im Bildungsbereich. Hier müssen Lehrkräfte unterstützt werden, z. B. durch Materialien oder Weiterbildungsangebote.
- Engagement verbindet: Nachhaltige Initiativen fördern den sozialen Zusammenhalt und sind Orte der Begegnung. Dies soll stärker gefördert werden, etwa durch Kooperationen mit Jugendzentren, sozialen Einrichtungen, multikulturellen Organisationen und Social-Media-Kampagnen.