Resilienz in der Arbeitswelt ist keineswegs nur eine individuelle Fähigkeit oder Eigenschaft. Die Widerstandskraft von Beschäftigten wird stark von betrieblichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Auswertungen des Arbeitsklima Index zeigen: Jedes Unternehmen kann die Resilienz seiner Mitarbeiter:innen durch die richtigen Rahmenbedingungen stärken und fördern.
Resilienz ist für uns alle wichtig
Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit, die uns hilft, Probleme und schwierige Situationen zu meistern und daraus zu lernen. Gerade in der Arbeitswelt ist sie für die Beschäftigten von hoher Bedeutung, um ein erfülltes und zufriedenes Berufsleben zu erreichen. Mit einer ausgeprägten Resilienz können stressige Situationen, wechselnde Arbeitsabläufe und unvorhergesehene Ereignisse bewältigt werden. Gleichzeitig werden dabei Strategien und Fähigkeiten zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen erlernt. Resilienz ist nicht angeboren, sondern kann durch Erfahrungen entwickelt werden.
Auch für Unternehmen ist es wichtig, dass die Beschäftigten ein hohes Ausmaß an Resilienz besitzen. Resilienz bringt Lösungsorientierung und damit Unternehmenserfolg mit sich. In den Betrieben sind die Arbeitsbedingungen ausschlaggebend dafür, wie stark die Resilienz bei den Beschäftigten ausgeprägt ist. Das ist auch die gute Nachricht für die Unternehmen: Sie haben es selbst in der Hand, die Resilienz der Mitarbeiter:innen zu stärken.
Gute Arbeitsbedingungen stärken die Resilienz
Resilienz lässt sich daran erkennen, dass Beschäftigte auf objektive Belastungen wie beispielsweise Zeitdruck oder häufigen Wechsel von Anforderungen mit lösungsorientierten Strategien zur Bewältigung reagieren. Wenn das gelingt, lässt sich das daran erkennen, dass die Beschäftigten sich persönlich vom Zeitdruck oder den wechselnden Anforderungen nicht beeinträchtigt fühlen.
Der Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Resilienz der Beschäftigten in Österreichs Betrieben zu analysieren. Nimmt man die bereits erwähnten Belastungsfaktoren Zeitdruck und wechselnde Anforderungen als Gradmesser, so zeigt sich, dass insgesamt knapp die Hälfte (47 Prozent) der Beschäftigten ihnen gegenüber resilient sind.
Die Arbeitsbedingungen in den Betrieben sind hierfür ausschlaggebend: Unter jenen Beschäftigten, die mit ihren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind, ist nur ein Viertel (26 Prozent) resilient. In der Gruppe derer, die mit ihren Arbeitsbedingungen sehr zufrieden sind, sind es mit mehr als drei Viertel (77 Prozent) gut dreimal so viele.
Vereinbarkeit, Mitbestimmung und Führungsstil sind besonders wichtig
Was stärkt die Resilienz von Beschäftigten:
- Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist mit Abstand am wichtigsten. Hierbei geht es vor allem um Flexibilität auf beiden Seiten: Wenn Arbeitnehmer:innen im Betrieb bei Bedarf länger bleiben oder einspringen, dann sollte es umgekehrt auch möglich sein, bei privaten Belangen kurzfristig freinehmen zu können oder die Arbeit zu unterbrechen.
- Eng damit verbunden sind die Arbeitszeitregelungen. Nicht nur Gleitzeitmodelle erlauben Flexibilität, auch bei Schichtmodellen ist es möglich, unter Wahrung der betrieblichen Abläufe flexible Elemente einzubauen. Dazu zählen z. B. Tauschmöglichkeiten, Lage von Ruhezeiten oder flexible Beginnzeiten.
- Die Kommunikation im Betrieb ist ein weiterer Schlüssel für die Resilienz. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, die Kommunikation hochzuhalten. Das heißt, regelmäßig und transparent zu kommunizieren und darauf zu achten, dass wirklich alle die relevanten Informationen auch tatsächlich bekommen.
- Die Mitbestimmung von Mitarbeiter:innen im Betrieb trägt ebenfalls zur Stärkung der Resilienz bei. Insbesondere in Unternehmen mit Betriebsrat ist die Resilienz der Beschäftigten deutlich stärker als in Unternehmen ohne Betriebsrat.
- Die Führungskräfte im Unternehmen können die Resilienz ihrer Mitarbeiter:innen stärken, indem sie erreichbar sind, regelmäßig Feedback geben und die berufliche Entwicklung fördern. Für gute Arbeitsbeziehungen ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Führungskräfte unterstützen und fördern.
- Weiterbildung und die Möglichkeit, im Beruf die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, stärken die Resilienz. Wer im Beruf wachsen kann, entwickelt ein breites Spektrum an Kompetenzen, die die Resilienz stärken.
- Die Beziehungen zu den Kolleg:innen sind ein weiterer Baustein zur Förderung der Resilienz. Gemeinsam lassen sich Probleme leichter lösen. Die Verteilung von Lasten auf mehrere Schultern erleichtert deren Bewältigung.
Resilienz als Schlüssel für ein gesundes Berufsleben
Unternehmen, die diesen Aspekten einen hohen Stellenwert einräumen, können damit zusätzlich ihre Attraktivität als Arbeitgeber:innen steigern. Kurzum: Resilienz zahlt sich für alle aus – sie ist der Schlüssel zu einem erfüllten, gesunden und langen Berufsleben. Hierzu ein paar Beispiele:
- 70 Prozent der Beschäftigten mit hoher Resilienz halten es für sehr wahrscheinlich, ihren aktuellen Job bis zur Pension machen zu können. Bei jenen mit geringer Resilienz sind es nur 51 Prozent.
- Zwei Drittel (66 Prozent) der Beschäftigten mit hoher Resilienz möchten im Job weiterwachsen, sich entwickeln und neue Fähigkeiten erwerben. Bei jenen mit geringer Resilienz sind es nur 53 Prozent.
- Etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Beschäftigten mit hoher Resilienz leiden unter mehreren körperlichen Beschwerden. Bei jenen mit geringer Resilienz sind es fast doppelt so viele (52 Prozent).
Resilienz im Berufsleben ist nicht Privatsache oder eine Frage der Persönlichkeit. Jedes Unternehmen kann die Resilienz der Mitarbeiter:innen stärken und fördern. Das leistet nicht nur einen gesellschaftlichen Beitrag zur Gesundheit und zum längeren Verweilen im Berufsleben, sondern auch zum Unternehmenserfolg.