Chinas Vorreiter­rolle bei Künstlicher Intelli­genz (KI) in der Arbeits­welt

14. Januar 2026

Bereits seit mehreren Jahren präsentiert China sehr ambitionierte Pläne für den KI-Bereich. Die KI-Strategie der Volksrepublik ist auch auf globaler Ebene wahrnehmbar. Im Oktober 2023 wurde in Beijing die sogenannte „Global AI Governance Initiative“ verlautbart. Diese KI-Initiative ist vorrangig an die „Belt & Road“-Partnerländer des globalen Südens adressiert und strebt ein international verpflichtendes Regelwerk für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz an.

Im Rahmen von Hightech-Messen oder Technologie-Tagungen macht Peking durchaus kein Geheimnis aus der Zielsetzung über kurz oder lang eine globale Führungsposition bei der industriellen Anwendung von Künstlicher Intelligenz einzunehmen. Dieses Vorhaben wurde unter anderem mit der „KI Plus Initiative“ vom März 2025 mit Zielsetzungen bis 2027 und 2030 untermauert. Was ist nun der Inhalt dieser staatlichen Initiative? Im Kern geht es darum, KI-Assistenz in Chinas Industrie- und Servicesektor möglichst rasch auszubauen. Dies betrifft einige innovative Schlüsselindustrien wie die smarte Digitalisierung von städtischer Infrastruktur, Robotik, neuromorphes Computing, Produktion von Silizium-Elektronen sowie Nicht-Silizium-Halbleitern oder auch die Weiterentwicklung von sogenannten Gehirn-Computer-Schnittstellen (Englisch: Brain–Computer Interfaces, abgekürzt: BCI). Wie wichtig diese Entwicklung aus Sicht der Industrie der Zukunft ist, lässt sich auch an der zunehmenden internationalen Normungsaktivität in diesem Bereich ableiten, die nicht zuletzt auch die (chinesische) Technologieführerschaft beeinflusst.

Gehirn-Computer-Schnittstellen

Was in Europa bislang nur in Fachkreisen Beachtung findet, ist der Umstand, dass die Produktion von BCI-Systemen in der VR China mittlerweile die Dimension eines eigenständigen Industriesektors erreicht hat. Allein in der Provinz Guangdong sind über 80 Unternehmen für die Produktion von BCI-Systemen zugelassen und registriert. Nachstehende Tabelle soll eine grobe Übersicht über die verschiedenartigen Anwendungen von Gehirn-Computer-Schnittstellen vermitteln:

© A&W Blog
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Selbstverständlich stellt die forcierte Produktion von BCI-Systemen nur einen Teilbereich von Chinas KI-Strategie dar. Doch für die Arbeitswelt von morgen ist gerade dieser Bereich von herausragender Bedeutung.

BCI-Systeme in Chinas Arbeitswelt

Nicht zufällig haben chinesische Staatsbehörden im Juli 2025 einige Dienstleistungs- und Industriesektoren aufgelistet, in denen in den kommenden Jahren BCI-Systeme eingeführt werden sollen. Dazu gehören Bergbau, Transportwesen, nukleare Energieversorgung und chemische Industrie. Staatsunternehmen ebenso wie Privatfirmen drängen auf beschleunigte Genehmigungsverfahren. Als Hauptargument wird angeführt, dass mit der neuen Technologie die Sicherheit von Personal in Risikosituationen erheblich verbessert werden kann. So etwa sollen Arbeitsplätze mit hohem Gefährdungsgrad durch das Tragen von BCI-Stirnbändern während der Arbeitszeit sicherer werden. Ein BCI-Stirnband schlägt Alarm bei Sekundenschlaf oder wenn bei Arbeitnehmer:innen die Konzentration plötzlich nachlässt. Aus arbeitsrechtlicher Sicht stellt sich allerdings eine grundlegende Frage: Wie wird es jenen chinesischen Arbeitskräften ergehen, welche das Tragen von BCI-Stirnbändern oder BCI-Ohrgeräten verweigern? Können sie ihren Arbeitsplatz behalten? Bleibt es bei Schutz vor Gefahren oder wird eine weitergehende Kontrolle der Beschäftigten durch die Arbeitgeber ermöglicht?

Künstliche Intelligenz in unserer Arbeitswelt von morgen

In Österreich sind Gehirn-Computer-Interfaces in der Arbeitswelt bis dato noch kein Thema. Doch wir täten gut daran, dieser Technologie schon heute entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Denn letztlich geht es bei Gehirn-Computer-Schnittstellen um die Optimierung von menschlicher Leistung. Und es liegt klar auf der Hand, dass in der Arbeitswelt menschliche Funktionsoptimierung gefragt ist. Auch in Europa wird der Tag kommen, wo verbesserte Wahrnehmungs- und Entscheidungsfähigkeit von Arbeitnehmer:innen mittels BCI-Technologie offen diskutiert wird. Doch zurück zu China: Die Volksrepublik ist gegenwärtig mit Nachdruck bemüht, im Bereich Künstlicher Intelligenz auch internationale Kooperationen einzugehen. So etwa war China bei einer europäischen KI-Initiative des Vorjahres mit dabei, dem sogenannten „Pariser AI Action Summit“ vom Februar 2025. In der gemeinsamen Schlusserklärung des Pariser KI-Gipfels verpflichtete sich China gemeinsam mit 57 weiteren Staaten zu einer „menschenrechtsbasierten, ethischen, menschenzentrierten, sicheren und vertrauenswürdigen“ KI-Technologie.

Es bleibt nun abzuwarten, ob sich China im Bereich der Arbeitswelt tatsächlich an diese internationalen Vorgaben einer „menschenzentrierten“ und „menschenrechtsbasierten“ Nutzung von KI-Technologie halten wird. Angesichts von Chinas Vorreiterrolle sollte dabei besonderes Augenmerk auf die Konsequenzen der Einführung von Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) für die chinesischen Arbeitsplätze gelegt werden. Es wird an den Vertreter:innen der Beschäftigten liegen, auf die Einhaltung der Prinzipien des Pariser KI-Gipfels zu achten.


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