Serie “Pikettys Thesen” 2: Vermögensverteilung als politische Entscheidung

Nicht nur der Reichtum ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angewachsen, auch die Ungleichheit der Verteilung von Vermögen spitzt sich zu. Wie Piketty zeigt, besitzt etwa die Hälfte der Bevölkerung – unabhängig von der betrachteten Zeitperiode – kein nennenswertes Vermögen. Lediglich 5 % des gesamten Vermögens sind im Besitz der ärmeren Hälfte. Hingegen halten die reichsten 10 % heute mehr als 60 % des gesamten Vermögens.

Eine politische Entscheidung

Während und vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Konzentration von Vermögensbesitz in Europa als auch in den USA drastisch an. In Europa besaßen die reichsten 10 % zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 90 % des gesamten vorhandenen Kapitals. Die extreme Konzentration von Vermögen prägte gesellschaftliche Strukturen: Erbschaften sowie Heirat spielten eine Schlüsselrolle für Vermögensaufbau und sozialem Aufstieg. So erreichte eine kleine Elite ein Wohlstandsniveau, das durch Arbeit nicht möglich gewesen wäre.

Zwischen 1914 und 1970 reduzierte sich die Vermögenskonzentration in Europa und in den USA aufgrund der kriegsbedingten Zerstörung von Kapital. Progressive Steuern, sehr hohe Spitzensteuersätze, ein Erstarken des Wohlfahrtsstaates und die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien trugen ebenfalls zur Umverteilung bei und ermöglichten erstmals einer breiten Schicht der Bevölkerung den sozialen Aufstieg. Der Staat griff über öffentliche Investitionen und die Besteuerung von Vermögen und Kapital in die Marktwirtschaft und in die Verteilung der gesellschaftlichen Ressourcen ein und sorgte für gerechte Umverteilung. Seit den 1980er Jahren steigt die Vermögensungleichheit jedoch wieder rasant an. Die Deregulierung der Märkte, die Privatisierungswellen der letzten Jahrzehnte, die Orientierung am Shareholder-Value sowie der internationale Steuerwettbewerb und die Existenz von Steueroasen kamen besonders den Vermögenden zugute. Diese konnten hohe Zuwächse bei ihren Besitztümern verbuchen.

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Die gesammelten Thesen finden Sie in der Broschüre „Piketty’s Thesen: Kurz und bündig“