Mehr Väter in Karenz

Partnerschaftliche Aufteilung der Betreuungsarbeit ab der Geburt des Kindes unterstützt Frauen beim Wiedereinstieg und führt für Väter zu keinen Nachteilen im Beruf. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des neuen AK-Wiedereinstiegsmonitorings. In dieser aktuellen Erhebung wurden die Karenz und der Wiedereinstieg von insgesamt 440.000 Personen in ganz Österreich analysiert.

Differenzierte Kinderbetreuungsgelddaten ermöglichen erstmals mit Zahlen zu dokumentieren, wie es um die partnerschaftliche Teilung der Betreuungsarbeit in Österreich in den ersten Lebensjahren des Kindes steht.

Kinderbetreuungsgeld können Eltern nach der Geburt des Kindes während der Karenz bzw.  bei Beschäftigung bis zu einem Einkommen von rund 1200 Euro brutto monatlich in Anspruch nehmen. Es gibt fünf verschiedene Kinderbetreuungsmodelle mit unterschiedlich langer Dauer und Höhe.  Um partnerschaftliche Teilung zu fördern sind je nach Modell zwei bis sechs Monate für den zweiten Elternteil reserviert. Die Bezugsdauer verkürzt sich um diese Monate, wenn nur ein Elternteil – in der Regel die Mutter – bezieht. D.h. zum Beispiel beim 20 plus 4 Monate Modell, muss der zweite Elternteil mindestens vier Monate Kinderbetreuungsgeld beziehen, damit die Anspruchsdauer bis zum 2. Geburtstag des Kindes ausgeschöpft werden kann. Bezieht nur ein Elternteil – in der Regel die Mutter – endet die längst mögliche Bezugsdauer nach Vollendung des 20. Lebensmonats des Kindes. Wenn beide Elternteile beziehen, kann die jeweilige Länge des Bezugs – unter Berücksichtigung der Mindestbezugsdauer – pro Elternteil in diesem Rahmen von den Eltern selbst entschieden werden. Rechtlich steht also einer Gleichverteilung der Betreuungsaufgaben ab Geburt des Kindes nichts im Wege. In welchem Ausmaß wird aber nun partnerschaftlich Teilung gelebt?

Mehr Väter gehen in Karenz aber dafür immer kürzer

Es zeigt sich, dass mit Einführung der finanziell attraktiveren Kinderbetreuungsgeld-Modelle ab 2008 – verstärkt seit der Einführung des einkommensabhängigen Variante ab 2010 – auch Männer stärker Kinderbetreuungsgeld in Anspruch nehmen. Ihr Anteil an den Kinderbetreuungsgeldbeziehenden ist im Beobachtungszeitraum des Monitoring insgesamt von 8 Prozent 2006 auf 17 Prozent 2012 gestiegen (Männer, die vor dem Kinderbetreuungsgeldbezug gut erwerbsintegriert waren).  Um besser fassen zu können, ob damit auch stärker Betreuungsaufgaben übernommen wurden, wurde zusätzlich ausgewertet, ob mit dem Bezug der Geldleistung auch eine Erwerbsunterbrechung der Männer verbunden ist. Hier zeigt sich, dass  44% der Männer Kinderbetreuungsgeld beziehen ohne ihre Erwerbstätigkeit zu unterbrechen (Beginn des Kinderbetreuungsgeldbezugs 2012). Aber da auch bei den 56 % der Männer, die ihre Berufstätigkeit mit dem Kinderbetreuungsgeldbezug unterbrechen, die sehr kurzen Unterbrechungsdauern von drei Monaten und darunter deutlich überwiegen, muss festgehalten werden, dass es zwar einen positiven Trend gibt, sich insgesamt aber bislang nur wenig am Ungleichgewicht in der Verteilung Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern geändert hat. G 1 Gerlinde

In der zeitlichen Entwicklung der Unterbrechungsdauern, die in der Grafik zu sehen ist, fällt die enorme Steigerung der Unterbrechungsdauern von Männern bis maximal drei Monaten ins Auge während Unterbrechungsdauern darüber hinaus nur wenig gestiegen sind bzw. sogar gesunken sind. Diese Ergebnisse spiegeln die ambivalente Anreizwirkung seit der Einführung des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes wider:  Deutlich mehr  Männer aus dem höheren Einkommenssegment nehmen zwar nun Kinderbetreuungsgeldbezug in Anspruch, allerdings vielfach nur die Mindestbezugsdauer von zwei Monaten.

Für Männer zeigt sich damit die genau gegenteilige Anreizwirkung wie bei den Frauen: Während Frauen ihre Berufsunterbrechung an der längst möglichen Dauer des Kinderbetreuungsgeldbezuges ausrichten, orientieren sich Männer dagegen an der kürzest möglichen Dauer.

Auch zeigen weitere Auswertungen, dass sich der Anteil von Frauen in Partnerschaften, deren Partner aufgrund der Geburt des Kindes auch unterbricht von 2006 auf 2012 von 3 auf 10 Prozent erhöht hat. Damit haben nach wie sehr wenige Frauen in Paarbeziehungen einen Partner, der auch in Karenz geht. Ein Vierteljahrhundert nach Einführung der Väterkarenz ist das ein eher bescheidener Befund. Bei  weiteren 5% der Frauen in Partnerschaften nehmen die Partner lediglich Kinderbetreuungsgeld in Anspruch, allerdings ohne ihre Berufstätigkeit damit zu unterbrechen.   Bei der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Frauen in Partnerschaften (85 %) bezieht nur die Frau Kinderbetreuungsgeld (gut erwerbsintegrierte Frauen mit Geburten 2012). Inwieweit die Väter ohne Erwerbsunterbrechung ihre Arbeitszeit reduzieren, um Betreuungsaufgaben übernehmen zu können, kann aufgrund der fehlenden Datenlage nicht erhoben werden.

 Väter in Karenz unterstützen Frauen beim Wiedereinstieg

Wie zu erwarten, aber jetzt erstmals in Zahlen gegossen, wirkt sich fehlende Partnerbeteiligung negativ auf Wiedereinstiegschancen von Frauen aus:  Nur gut die Hälfte der Frauen in Partnerschaften mit alleinigem Kinderbetreuungsgeldbezug (56 Prozent) ist zum 2. Geburtstag des Kindes, der längst möglichen Dauer der kündigungsgeschützten Karenz, wieder beschäftigt. Nur die Wiedereinstiegschancen von Alleinerzieherinnen sind mit 53 % noch etwas schlechter. Mit deutlichem Abstand sind die Wiedereinstiegschancen von Frauen, deren Partner im Kinderbetreuungsgeldbezug die Berufstätigkeit unterbrochen hat, am besten: Diese sind zu mehr als drei Viertel (77%) zu diesem Stichtag wieder erwerbstätig (gut erwerbsintegrierte Frauen mit Geburten 2010).

G 2 Gerlinde

Damit gibt es neben dem zentralen Argument einer Stärkung der Vater-Kind-Beziehung einen weiteren triftigen Grund, Väterkarenz zu fördern.  Die gute Nachricht für (potentielle) Karenzväter ist zudem, dass Väterkarenz keine generell negativen Auswirkungen auf die weitere Berufskarriere der Väter hat:  Auch im ersten Jahr nach Beginn des Kinderbetreuungsgeldbezugs – also im Zeitraum in dem die überwiegende Mehrzahl der kurzen Berufsunterbrechungen stattfinden, gibt es wenig (2006) bzw. keine Einkommenseinbußen (2012) für Männer gegenüber der Zeit davor: So sinkt bei Männern, die 2006 Kinderbetreuungsgeld bezogen haben zwar im ersten Jahr der Anteil der Männer mit Einkommen ab 2000 Euro um 10 Prozentpunkte auf 49 Prozent (davor 59 Prozent). Allerdings ist dieser Einkommensverlust drei Jahre später bereits wieder aufgeholt und im zum sechsten Nachbeobachtungsjahr ist der Anteil von Männern in diesem Einkommenssegment sogar um 5 Prozentpunkte gestiegen. Die deutlich geringeren Unterbrechungsdauern bei Männern, die 2012 Kinderbetreuungsgeld in Anspruch genommen haben, führen dagegen zu keinerlei sichtbaren Einkommensverlusten mehr. Mit 70 % verdienen im ersten Nachbeobachtungsjahr gleich viele Männer wie im Jahr davor ab 2000 Euro. Ganz anders die Situation bei den Frauen, die ja nach dem Wiedereinstieg zum überwiegenden Teil in Teilzeit arbeiten: Sie müssen auch im 6. Jahr mit deutlich weniger Einkommen  auskommen noch als vor der Geburt des Kindes: Weniger als ein Viertel der Frauen (23%), die 2006 eine Geburt hatten, verdienen 2000 Euro und darüber hinaus, im Jahr vor der der Geburt des Kindes waren 47 % in diesem Einkommenssegment (vor der Geburt überwiegend beschäftigte Personen mit Wiedereinstieg). Einkommensnachteile, die Frauen oft ihr ganzes weiteres Berufsleben nicht aufholen können und für viele Frauen in weiterer Folge mit einer unzureichenden soziale Absicherung bei Trennung, Arbeitslosigkeit und im Alter verbunden sein können.

Bessere Rahmenbedingungen für Frauen und Männer nötig

Die Politik ist daher ebenso gefordert wie Unternehmen Rahmenbedingungen der Vereinbarkeit zu schaffen, die gleichermaßen Frauen wie Männer stärker unterstützen. Die Einführung eines bezahlten Papamonats, mehr Anreize für Väter (längere) Karenzen in Anspruch zu nehmen durch Erhöhung der Mindestbezugsdauer das Kinderbetreuungsgeld und Einführung eines Gleichstellungsbonus beim Kinderbetreuungsgeld, wenn sich Paare die Karenz gleichmäßig aufteilen wären neben einer Unternehmenskultur, die auch Männer als Väter wahrnimmt und Väterkarenz fördert, wichtige Ansatzpunkte.

Das AK Wiedereinstiegsmonitoring wurde von L & R Sozialforschung (Andreas Riesenfelder und Lisa Danzer) im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der AK erstellt.

Link zum AK-Wiedereinstiegsmonitoring: Mehr Väter in Karenz | AK Wien